AL HAYAT - Klopp feiert sein "Oktoberfest": Endlich der erste Sieg

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Klopp feiert sein "Oktoberfest": Endlich der erste Sieg
Klopp feiert sein "Oktoberfest": Endlich der erste Sieg / Foto: Sven Hoppe - picture-alliance/dpa/SID

Klopp feiert sein "Oktoberfest": Endlich der erste Sieg

Jürgen Klopp ließ die Jubelfäuste fliegen - der Bundestrainer ist erlöst. Und wie! Im dritten Länderspiel feierte der neue Heilsbringer des deutschen Fußballs mit seinem wunderbar aufspielenden zweiten Kader endlich den ersehnten ersten Sieg. Nach dem Bettenwechsel und einer allumfassenden Startelf-Rotation besiegte die Nationalmannschaft schwache Serben in München völlig verdient mit 2:0 (1:0).

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Wenige Kilometer vom Oktoberfest entfernt war beim ersten Sieg der Nations-League-Saison vieles von dem zu sehen, wie sich Klopp sein Fußball-Karussell der Zukunft vorstellt. Viel mehr Tiefe, direktes Passspiel und Bälle in den Strafraum hatte er seinen elf Neuen verordnet: Sie gehorchten und erspielten sich Chancen in Serie. Tom Bischofs Premierentor (39.) nach einem Balltänzchen samt Pfostenschuss von Florian Wirtz blieb lange die einzige Belohnung, bis der nun bärenstarke Wirtz (61.) vor 68.121 Zuschauern sehenswert selbst traf.

Alles neu macht der Oktober - Klopp veränderte seine Startelf nicht auf ein paar Positionen: nein, auf allen, er brachte unter anderem den selten beschäftigten Debütanten Jonas Urbig im Tor und den auffälligen Offensivmann Derry Scherhant vom SC Freiburg, der auch noch ohne Länderspiel war. Die Fans konnten mitzählen: Es waren die Nationalspieler Nummer 997 und 998 in der DFB-Geschichte.

Seinen Kapitän Joshua Kimmich ("Er soll Familien-Urlaub machen") und viele andere aus dem ersten Kader hatte Klopp nach Hause geschickt, nur fünf Spieler aus dem Griechenland-Aufgebot waren noch dabei. Ein Grund liegt im radikalen Casting-Ansatz: Der Bundestrainer wollte sehen, wie sich junge Spieler "ohne die Platzhirsche" entwickeln.

Wieder also bemühte sich eine Mannschaft, die so nie wieder auflaufen wird, gegen einen tiefen Block um eine Ordnung, die es derart schnell kaum geben konnte. "Wir sind nicht das Bayern München des europäischen Fußballs", betonte Klopp, "wir sind eine Mannschaft, die sich finden muss. Wir müssen die letzte Linie stressen, es ist nicht so kompliziert." Zu den Etablierten auf dem Platz gehörten die jüngsten Problemfälle: Wirtz und der ebenfalls sichtlich bemühte Nick Woltemade.

Die erwartete in der Offensive ein ähnliches Spiel wie gegen Griechenland (0:1), aber das deutsche Spiel hatte nicht nur bei der ersten Chance von Aleksandar Pavlovic (8.) deutlich mehr Tiefe und Passschnelligkeit.

Ersatzkapitän Serge Gnabry hatte zwei sehr gute Gelegenheiten (18./30.) und bereitete zudem für Wirtz vor (35.), auch Bischof hielt schon vor seinem Treffer mehrfach drauf. Dem deutschen Dauer-Powerplay fehlte noch die Krönung, dafür stimmte zunächst die Konterabsicherung: Eine Gnabry-Grätsche feierte Klopp wie ein Tor. Aber, Obacht! Kosta Nedeljkovic (33.) fehlten Zentimeter zu einem 0:1 aus dem Nichts. Bischofs Tor kam zum richtigen Zeitpunkt - bevor es zäh werden konnte.

Klopp wechselte Said El Mala, die 999, für Gnabry ein, der die Kapitänsbinde an Wirtz weitergab. Bischof spielte gleich wieder steil auf Pavlovic (52.), Wirtz bediente Scherhant (54.), El Mala schlenzte knapp vorbei (57.). Deutschland spielte mit präzisem Gegenpressing und unter seltenen serbischen Störungen sehr gefällig. Klopp klatschte selbst noch, als Woltemade aus kürzester Distanz übers Tor schoss (58.). Warum auch nicht? Wirtz traf ja gleich danach. Mika Baur durfte dann als "1000" ein Kapitel deutscher Fußballgeschichte schreiben, Klopp küsste ihm die Schläfe: Ein Rädchen griff ins andere. Auch Vitaly Janelt debütierte noch.

Das macht Mut für die Griechenland-Revanche in Thessaloniki am Sonntag. Im November (Spiele in Serbien und gegen die Niederlande) dann wird Klopp seine Aufgebote zu einem komprimierten Stammkader zusammenführen - das Modell XXL bleibt eine Ausnahme.

S.Sadoun--al-Hayat