WWF: Wildtierpopulation weltweit seit 1970 um fast drei Viertel geschrumpft
Wenige Tage vor der UN-Konferenz COP17 zur Biodiversität hat die Umweltschutzorganisation WWF auf den dramatischen Schwund von Wildtieren hingewiesen. Zwischen 1970 und 2022 seien die weltweit erfassten Populationsgrößen von Säugetieren, Amphibien, Reptilien, Vögeln und Fischen im Durchschnitt um 73 Prozent geschrumpft, erklärte der WWF am Donnerstag anlässlich der Veröffentlichung seines jüngsten Berichts "Living Planet Report".
Die größten Rückgänge gab es demnach mit durchschnittlich 85 Prozent in Flüssen, Seen und anderen Süßwasserlebensräumen. An Land betrug das Minus 69 Prozent, in den Meeren 59 Prozent. Am stärksten betroffen sind Lateinamerika und die Karibik mit einem Rückgang von 95 Prozent und Afrika mit 80 Prozent.
"Die Art und Weise, wie die Welt Lebensmittel produziert und konsumiert" ist laut dem WWF die wichtigste Ursache für diese Entwicklung, noch vor dem Klimawandel. Weitere Gründe lägen in der Energieversorgung und im Finanzsystem, hinzu kämen die Umweltverschmutzunmg und die Bedrohung durch invasive Arten und Krankheiten.
Der WWF hebt indes hervor, dass die Entwicklung nicht unumkehrbar sei. "Der Abwärtstrend lässt sich umkehren, wenn wir den Schutz der Natur verbindlich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verankern", erklärte Kathrin Samson vom WWF Deutschland.
Laut dem WWF sind die Hälfte der im Living Planet Index erfassten Populationen stabil oder wachsen sogar. Durch gezielte Schutzmaßnahmen seien etwa Erfolge bei der Grünen Meeresschildkröte, beim Blauflossen-Thunfisch oder bei einzelnen Elefantenbeständen im südlichen Afrika erzielt worden, hieß es. Die Zahl der wildlebenden Tiger ist dem Bericht zufolge seit 2010 weltweit von 3.200 auf rund 5.700 gestiegen - ein Zuwachs von mehr als 70 Prozent.
Die COP17 zur Artenvielfalt beginnt am 19. Oktober in der armenischen Hauptstadt Eriwan. An den bis zum 30. Oktober dauernden Verhandlungen nehmen Vertreter aus knapp 200 Ländern teil.
K.Sharhan--al-Hayat